Das böse Wort Frauenquote – oder die Frage ob Gleichberechtigung eine Bring- oder Holschuld sein sollte

In letzter Zeit ist die Frauenquote in aller Munde. Jeder hat dazu eine Meinung, diese hängt natürlich auch von der Perspektive des Betrachters ab. Ich möchte das Thema daher heute aus der Sicht sowohl einer Personalberaterin, als auch einer Führungskraft und Gründerin und betrachten.

Was ist überhaupt die Frauenquote?

Eine Frauenquote gibt vor, dass ein bestimmter Mindestprozentsatz von Beschäftigten in einem Unternehmen oder aber auch den Mitgliedern eines Gremiums aus Frauen bestehen muss. Die Intention dahinter ist eigentlich einfach: Damit soll der Anteil an Frauen in Führungsebenen oder aber auch bestimmten Instanzen erhöht werden und damit eine höhere Heterogenität und dabei gleichzeitig eine stärkere Gleichberechtigung erreicht werden. Aus den freiwilligen Appellen der Politik, wurde eine klare Vorgabe mit Konsequenzen, wenn man sich als Firma nicht an die Quote hält.

Wieso ist die Politik davon überzeugt, dass wir eine Frauenquote brauchen?

Da das Thema sehr komplex ist, möchte ich es aus dem Aspekt der Gehaltsunterschiede aufzeigen. Es werden oft alle Gehälter der Frauen, die arbeiten mit allen der Männer verglichen. Durch die daraus folgenden Unterschiede wird dann abgeleitet, dass Frauen im Schnitt für gleiche Arbeit weniger verdienen und dadurch diskriminiert werden.

Ist die Diskriminierung von Frauen durch abweichende Gehälter real?

Man muss solche Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vergleichen, die gleich sind. Ausbildung, Berufserfahrung, Berufsgruppe, Größe des Unternehmens, Dauer der Zugehörigkeit… Wenn wir dann feststellen, dass die Frau weniger verdient als der Mann – dann haben wir einen Vergleichswert, der Sinn macht. Ich bin seit vielen Jahren Personalberaterin und kann den Vorwurf, Unternehmen würden Frauen willentlich und wissentlich benachteiligen, so nicht nachvollziehen. Wir arbeiten mit sehr unterschiedlichen Firmen. Immer wenn wir einen Auftrag bekommen, besprechen wir das Budget für die zu besetzende Vakanz  – es gibt dabei kein separates Budget für Frauen und Männer. Wir bekommen lediglich eine Gehaltsspanne vorgegeben. Diese ist vollkommen unabhängig davon, ob es sich bei dem bestmöglichen Bewerber auf dem Arbeitsmarkt um einen ein Mann oder eine Frau handelt.

Also alles ein Hirngespinst der Politik? Ich glaube nein, sehe die Ursachen allerdings weniger trivial und tiefgehender. Auffallend oft sind die Gehaltswünsche und die aktuellen Gehälter von Frauen im direkten Vergleich mit Ihren männlichen Konkurrenten mit steigender Berufserfahrung geringer. Bei Berufseinsteigern ist dieser Unterschied dagegen marginal bis nicht feststellbar.

Was machen Männer auf dem Weg durch Ihre Karriere also anders als viele Frauen?

Frauen fordern oft subtiler. Sie sind nicht selten der Meinung, dass der Chef oder die Firma den Wert und das Talent erkennen müssen, welches Sie durch ihre tägliche Arbeit zeigen. Es sollte nicht notwendig sein auf Offensichtliches auch noch hinweisen zu müssen – viele Frauen sehen also eher eine Bringschuld auf der Seite des Arbeitgebers.

Männer sind hier oft einfach lauter, präsenter und fordernder – vielleicht auch weil es in der Gesellschaft mehr akzeptiert wird, dass ein Mann lauter “Hier!” schreit als eine Frau. Die Krux an der Geschichte ist leider, dass viele Firmen einfach empfänglicher für laute Stimmen sind als für leises Talent, das darauf wartet auf die nächste Stufe gehoben zu werden. Verstehen sie mich nicht falsch: Dies ist lediglich eine Beobachtung und soll keinenfalls in die Kerbe „selber Schuld“ schlagen. Mit Sicherheit gibt es eine Vielzahl von Gründen, aber dieser Artikel soll keine sozial-psychologische Analyse sein.

Also Frauenquote ja oder nein?

Ich glaube, vieles im Berufsleben stellt eine Holschuld dar. Man muss lernen über seinen Schatten zu springen und zu akzeptieren, dass es auch in Ordnung ist das Scheinwerferlicht auf sich zu ziehen und zu sagen: Hier bin ich und das kann ich – und jetzt will ich genau die gleiche Gehaltserhöhung wie der Kollege! Auf der anderen Seite sind auch Firmen gefragt Strukturen zu entwickeln um auch „leise Talente“ zu entdecken und zu fördern. Dies ist nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung, sondern vor allem dient dies auch der Ausschöpfung des Potentials aller Mitarbeiter.

Ich glaube nicht, dass wir Strukturen in den Köpfen und der Gesellschaft ändern, indem wir eine Frauenquote aufzwingen. Als Frau gesprochen: Wir müssen alle für uns entscheiden welche Prioritäten wir für uns in unserer Karriere setzen- und gegeben falls diese Dinge auch lautstark einfordern. Männer sind nicht per se besser als Frauen. Frauen sind genauso wenig per se besser als Männer. Arbeitskraft ist letztendlich geschlechtsneutral.

von Kathinka Klein
*Bildquelle: Lupo / pixelio.de

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