Die neue Elternzeit – oder das Märchen vom 21. Jahrhundert

Aus gegebenem Anlass widme ich heute unseren Blog einem Thema welches mich selber gerade sehr beschäftigt.
Um ehrlich zu sein, war ich sehr überrascht, wie schwierig dieses Thema Elternzeit heutzutage noch ist.

Ich habe vor etwa 2 Monaten meine Tochter zur Welt gebracht – an dem Tag war mein Mann von Anfang bis Ende dabei.
Das ist heute absolut normal. Ich kann natürlich nicht für alle Frauen sprechen, aber es ist heutzutage eine gewisse Erwartungshaltung an den Mann, dass er die Frau hierbei unterstützt und sich nicht mit einem Kaffee in den Warteraum setzt.

Früher war das anders.

Ich bin die Jüngste von 3 Geschwistern. Mein Vater hat immer stolz erzählt, dass er, anders als bei meinen Brüdern, bei meiner Geburt dabei war. Bis dahin war das nicht die Regel. Es war etwas Besonderes. Die Zeiten hatten sich dahingehend geändert.

Was aber sonst hat sich wirklich seit jenen Tagen grundlegend geändert?

Früher blieben die Frauen zuhause bei den Kindern und die Väter gingen wieder arbeiten. Das war eine Tatsache die nie wirklich zur Debatte stand. Auch aus Mangel an Gestaltungsmöglichkeiten.

In der heutigen Zeit kann man sich Elternzeit nehmen. Da ist es völlig egal ob dies nun der Mann oder die Frau oder eben beide parallel beantragen.
Um es einfach zu halten, gehen wir mal vom Basis-Elterngeld aus, welches sich auf maximal 1800€ im Monat pro Elternteil beläuft. Das bekommt man für höchstens 14 Monate, wobei hier einer der Partner mindestens 2 Monate in Elternzeit gehen muss. Der andere Partner kann dann noch 12 Monate daheim bleiben und Elterngeld beziehen. Wie man die Zeit unter sich aufteilt ist jedem Paar selbst überlassen. Möglich ist dies bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes.

Es hat sich leider im heutigen Arbeitsalltag je nach Branche seit der Generation meiner Eltern nur teilweise diesbezüglich etwas getan.
Heute ist es, obwohl es genug Möglichkeiten gibt, oft immer noch so, dass größtenteils die Frauen daheim bei den Kindern bleiben und die Männer wieder arbeiten gehen.

40% der  Männer nehmen zwar Elternzeit- im Durchschnitt aber nur 2,8 Monate!

Warum ist das so?

Natürlich liegt es zum Teil verständlicherweise daran, dass die Frauen bei ihrem Kind daheim bleiben und diese gemeinsame Zeit auch genießen wollen. Ich möchte es aber aus der Sicht einer Personalberaterin betrachten – und aus dieser Perspektive gibt es einen Unterschied einer Karriere mit und einer ohne Kind.

Gleiches Gehalt, Gleiche Karrierestufe – wer bleibt beim Kind?

Egal wie lange man in seinem Beruf eine Pause einlegt, geht dies immer einher mit der Gefahr dass einen jemand auf der Karriereleiter überholt, das Projekt an jemand anderen übertragen wird oder die erhoffte Beförderung dann doch den Kollegen oder die Kollegin trifft, die auch hart dafür gearbeitet hat, aber eben durchgehend anwesend war.

Dieser „Gefahr“ sind sich Männer genauso bewusst wie wir Frauen, aber oft offensichtlich weniger bereit auf ihre Karriere zu verzichten. Wieso ist es sonst bei gleicher Voraussetzung überdurchschnittlich oft die Frau die hier die Karrierepause einlegt?

Hier sollten Firmen mehr für eine Förderung von jungen Familien tun. Männern und Frauen müssen mehr Chancen eingeräumt werden, wie man trotz Kind seinen gewünschten Karriereweg verfolgen kann. Irgendwann sollten wir dahin kommen, dass es wirklich keine Rolle mehr spielt ob ich eben als Mann oder als Frau in Elternzeit gehe.

Davon sind wir aber glaube ich noch einige Jahre entfernt.
Was denken Sie?
Welche Möglichkeiten gibt es?

Ich freue mich über Kommentare!

Bildquelle- www.pixelio.de

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