Do’s & Don’ts: Wie präsentiere ich mich auf (beruflichen) sozialen Netzwerken (nicht)?

Xing, LinkedIn, Experteer, Stepstone, Monster, Placement24… will man heute sein berufliches Netzwerk erweitern, seinen Marktwert testen oder sich gezielt von Firmen und Headhuntern finden lassen, stehen unzählige Angebote bereit, die um potentielle Nutzer werben. Doch für wen eignet sich welche Plattform? Wie präsentiere ich mein Profil für welchen Zweck? Welche Gefahren lauern und worauf muss ich beim Umgang mit meinen Daten achten? Als Headhunter stellen soziale Netzwerke für uns eine der wichtigsten Quellen zur Identifikation von Kandidaten dar, weshalb der folgende Leitfaden tatsächlich eng mit unseren Erfahrungen aus der Praxis verknüpft ist.

Für wen sind welche sozialen Netzwerke sinnvoll?

Bei der Betrachtung der (in Deutschland) für das Berufsleben relevanten sozialen Netzwerke kann man grundsätzlich zwei Arten von Plattformen unterscheiden: Soziale Medien wie Xing und LinkedIn werden nicht ausschließlich (oder zumindest nicht vordergründig) als Job- und Kandidatenbörse, sondern zum Aufbau und der Aufrechterhaltung beruflicher Kontakte genutzt. Portale wie Experteer, Monster, Stepstone oder Placement24 dagegen sind explizit darauf ausgelegt, Jobsuchende und potentielle Arbeitgeber oder Vermittler zusammenzubringen. Eine Mitgliedschaft bei diesen Jobbörsen wird zur Folge haben, dass Sie deutlich häufiger von Recruitern kontaktiert werden – insbesondere wenn Sie persönliche Informationen wie Ihre Handynummer hinterlegen (mehr dazu später).

Welche sozialen Netzwerke für Sie sinnvoll sind, hängt also stark davon ab, ob Sie aktiv auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung sind oder ob Sie primär Ihr berufliches Netzwerk pflegen und erweitern wollen. Sollte letzeres der Fall sein, raten wir ihnen dazu, um Jobbörsen einen Bogen zu machen und sich auf Xing und/oder LinkedIn zu beschränken.

Worauf sollte ich bei der Erstellung meines Profils achten?

Wollen Sie soziale Netzwerke zwar einerseits zur Netzwerkepflege nutzen, sich aber andererseits interessanten Angeboten nicht völlig verschließen, sollten Sie bei der Erstellung Ihres Profils einige Punkte beachten:

  • Wählen Sie die Bezeichnung Ihrer Position überlegt aus! Viele Headhunter suchen nach passenden Kandidaten anhand ähnlicher Titel – die Bezeichnung Ihrer Position sollte deshalb Ihre tatsächliche Tätigkeit widerspiegeln. In der Regel wird dies ohnehin Ihrem offiziellen Titel entsprechen – sollte Ihr Arbeitgeber allerdings ein Freund unkonventioneller Stellenbezeichnung sein, spricht nichts dagegen, die Position auf Xing oder LinkedIn anzupassen. Ihr akademischer Grad hat übrigens an dieser Stelle nichts zu suchen.
  • Zeichnen Sie ein leicht verständliches Bild Ihres Werdegangs! Nehmen Sie Ihre bisherigen Stationen sauber (Unternehmen, Position, Dauer) in Ihr Profil mit auf und erwähnen Sie auch Positionswechsel innerhalb eines Unternehmens Auf diese Weise ist Ihre Entwicklung auf einen Blick nachvollziehbar. Private Auszeiten (Sabbatical, Elternzeit, Work&Travel etc.) können, müssen Sie aber nicht in Ihr Profil übernehmen. Persönlich würde ich ihm Zweifelsfall eher davon abraten.
  • Versehen Sie Ihr Profil mit einem angemessenen Bild. Sie können hier zwar durchaus zu einem lockereren Motiv als beispielsweise in Ihrem Lebenslauf greifen – den Schnappschuss vom Junggesellenabschied letztes Jahr mit Sangria-Eimer in der Hand würde ich jedoch lieber in der (virtuellen) Schublade lassen.
  • Seien Sie konkret bei der Angabe Ihrer Skills! Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit wenn es um die Angabe Ihrer “Kenntnisse” (LinkedIn) bzw. “Ich biete” (Xing) geht. Bei Suchen von Headhuntern oder Unternehmen ranken Xing und LinkedIn Treffer in diesen Kategorien besonders stark. Im Feld “Kenntnisse” bzw. “Ich biete” sollten Sie vornehmlich Hard-Skills (z.B. Java, Projektmanagement, Online-Marketing) aufführen. Ihre Belastbarkeit, Kreativität und Teamfähigkeit ist natürlich löblich, an dieser Stelle allerdings unnötig zu erwähnen.
  • Sparen Sie sich Zitate für Grußkarten und Tischreden! Natürlich gibt es witzige, tiefsinnige und clevere Sprüche von mehr- oder weniger bekannten Persönlichkeiten. Bevor Sie sich allerdings mit Poesiealbums-Weisheiten schmücken – lassen Sie dieses Feld leer. Egal wie professionell Ihr Auftritt angelegt ist – “YOLO” gehört nicht auf Ihr Profil (oder irgendwo anders hin).

Wie verhindere ich den Missbrauch meiner Daten?

Ein großes Problem bei der Nutzung sozialer Netzwerke ist die unkontrollierte Weiterverbreitung Ihrer Daten. Es gilt wie so oft: “If you are not paying for it you’re not the customer, you’re the product being sold”.
Während sich bei “privaten” sozialen Medien wie Facebook eine falsche Eingabe bei den Einstellungen zur Privatsphäre meist lediglich auf die letzten Urlaubsbilder auswirkt, sind die Auswirkungen umgleich größer, wenn Ihr CV inklusive privater Anschrift und Telefonnummer ungefragt in diversen Datenbanken von Recruitern und Personalberatungen landet. Gerade bei sozialen Netzwerken mit Jobbörsen-Fokus stimmen Sie häufig der Weitergabe bzw. der Veröffentlichung Ihre Dokumente (an einen meist zahlenden Kundenkreis) zu. Für viele Personalberatungen sind Lebensläufe schlicht Handelsgut und gerade Beratungen aus dem angloamerikanischen Raum haben häufig ein von deutschen Vorstellungen stark abweichendes Verständnis von Datenschutz. Um zu verhindern, dass Ihr Profil ohne Ihr Wissen in externen Datenbanken und später e-Mail Verteilern an Unternehmen landet, empfehlen wir ihnen folgende Punkte zu beachten:

  • Laden Sie keine Lebensläufe zur freien Verfügbarkeit auf Plattformen hoch. Ein vollständiges, gut gepflegtes Profil genügt als erste Informationsquelle vollkommen
  • Versenden Sie Ihren Lebenslauf erst nach einem direkten, individuellen Kontakt mit einem Headhunter oder Recruiter (idealerweise einem kurzen Telefonat oder persönlichen Treffen)
  • Bringen Sie zuerst in Erfahrung, ob Sie tatsächlich wegen einer konkreten Stelle angesprochen wurden. Seriöse Recruiter und Headhunter werden ihnen bei bekundetem Interesse in einem Gespräch immer erste Informationen zu Ihrem Auftraggeber und der spezifischen Position geben
  • Fragen Sie, was genau mit Ihren persönlichen Daten passiert und teilen Sie gegebenenfalls Ihre Wünsche (im Zweifel schriftlich) mit

Ist es das überhaupt wert?

Trotz der tatsächlich bestehenden Probleme beim Thema Datenschutz empfehlen wir die Mitgliedschaft auf Plattformen mit Netzwerk-Fokus wie Xing oder LinkedIn grundsätzlich jeder Fach- und Führungskraft. Einmalig ein professionelles Profil anzulegen ist weder Hexenwerk noch besonders zeitaufwendig – langfristig wird es ihnen aber tatsächlich helfen Ihr berufliches Netzwerk zu pflegen. Sollten Sie auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung sein, erhalten Sie über soziale Netzwerke tatsächlich oft interessante Angebote oder zumindest einen Einblick über Optionen in Ihrem Berufsfeld.

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