Personalberater – lästige Postfachfüller oder Karriereberater?

„Ich bekomme jeden Tag 100 Nachrichten von Personalberatern, daher verstehen Sie sicher, dass ich keine Zeit habe, mit Ihnen zu telefonieren“. Immer öfter müssen Personalberater durch den Erstkontakt möglichst überzeugend sein, um überhaupt erstmal mit passenden Bewerbern in Kontakt zu treten. Das ist durchaus verständlich, seitdem Personalberater wie Pilze aus dem Boden schießen.

In bestimmten Branchen ist eine Zusammenarbeit der Unternehmen mit Personalberatern unausweichlich geworden. Der Fachkräftemangel in bestimmten Regionen Deutschlands verstärkt diese Entwicklung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Personalberatungs-Branche boomt und immer größer wird. Der bittere Beigeschmack ist, dass Karriereportale wie Xing oder LinkedIn sich hauptsächlich zu Recruiting Plattformen entwickeln und vor allem qualifizierte Bewerber mit Stellenangeboten überhäuft werden.

Daher hat sich bei vielen Mitgliedern eine gesunde Portion Misstrauen gegenüber potentiellen Angeboten eingestellt. Immer wieder hört man von sogenannten „schwarzen Schafen“ in der Personalberatungs-Branche, die durch Ihre unpassenden Nachrichten den Eindruck hinterlassen, sie hätten jeweilige Profile gar nicht durchgelesen, bevor sie die vermeintlich passende Stelle abgeschickt haben. Vom unseriösen Bewerbungsprozess und dem Missbrauch vom Datenschutz möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Daher widme ich meinen ersten Blog Artikel Mitgliedern, die Personalberater aufgrund des Überangebots eher als lästige Postfachfüller sehen.

Zugegeben, täglich anonymisierte Angebote zu bekommen, ist zwar lästig, jedoch steckt in den seltensten Fällen Willkürlichkeit dahinter – es geht als nicht um die besagten Schafe. In den meisten Fällen steht ein Personalberater mit genauesten Suchangaben hinter einer Nachricht, der sich auf die Suche nach DEM passenden Bewerber gemacht hat.

Wie soll sich ein Berater sicher sein, dass ein potentieller Bewerber auf der Suche ist, oder eben nicht?

Sich nur auf die Angaben, die der Bewerber auf seinem Profil veröffentlicht hat, zu verlassen, ist erfahrungsgemäß nicht die sicherste Methode, um an einen guten Bewerber zu kommen. Daher werden Anfragen auch an Bewerber gestellt, die eventuell im ersten Moment unscheinbar oder nicht aktiv auf der Suche sind. Jeder Personalberater hat schon mal die Erfahrung gemacht, hinter solch einem Profil einen TOP Bewerber gefunden zu haben. Teilweise kommen Bewerber auch erst auf den Gedanken zu wechseln, wenn Ihnen Berater die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes aufzeigen. Daher kann man sich z.B. auf den Status bei Xing „derzeit nicht an Stellenangeboten interessiert“ nicht zu 100 % verlassen.  Nicht suchend, heißt nicht gleich nicht suchend.

Oberflächliche Suchen kann sich ein Berater daher eigentlich nicht mehr leisten. Die Konkurrenz schläft nie! Es kommt nicht selten vor, dass ein Bewerber, den man bei seiner Suche nicht kontaktiert hat, plötzlich seinen Arbeitgeber aktualisiert. Der Kampf um qualifizierte Arbeitnehmer hat begonnen – und Personalberater tragen diese Kämpfe für ihre Auftraggeber aus.

Die Kunst besteht darin, im Meer an potentiellen Kandidaten, interessierte Bewerber zu finden. So liebe Personalberater…wie stellt Ihr das an? Potentielle Bewerber auf diese Weise anzusprechen, dass Sie Interesse zeigen und auch noch bereit sind, genaueres zu Ihrer Karriere preiszugeben, um im Anschluss die passende Position vorstellen zu können.

Der Erstkontakt muss daher so informativ wie möglich sein und vor allem die Neugierde wecken. Bei dem Versuch mit der eigenen Nachricht aus der Masse hervorzustechen, haben Bewerber jedoch schon „Wildes“ gelesen.

Also wie bleibt man seriös und sticht gleichzeitig heraus, um sich eine Rückmeldung zu sichern? Das letzte was ein seriöser Berater tun würde, ist, alle Informationen auf einem Silbertablett zu servieren, ohne die Gewissheit zu haben, dass der Bewerber Interesse zeigt. Daher nehmen Sie es nicht persönlich, dass man auf die Frage „Um welches Unternehmen geht’s denn genau?“ nicht sofort mit dem Namen rausrückt. Zudem ist es auch unwahrscheinlich, in der ersten Nachricht die perfekte Stelle anbieten zu können. Dafür reicht der Blick auf das Internetprofil leider selten aus. Eine einfache Anfrage ohne konkrete Angaben zu der Stelle ist daher meist die seriöseste, da der Personaler die Intention hat, sich erstmal ein genaueres Bild von den Wünschen und Anforderungen des Bewerbers zu machen.

Die Skepsis bei Personalberatern beruht genau wie die der Bewerber auf mangelndem Vertrauen. Deswegen muss ein guter Berater die Spreu vom Weizen trennen, um nicht einen Prozess mit einem Kandidaten zu starten, der letztendlich nur seinen Marktwert testen will. Denn eines ist sicher: Jeder Prozess ist individuell und daher sehr zeitintensiv, da man dem Bewerber nicht nur die spannendste Position, sondern auch die passendste bieten möchte.

Wenn der Personalberater also seine Zeit in einen Anruf und ein ausführliches Gespräch mit Ihnen investieren möchte, sollten Sie es durchaus annehmen. Denn egal wie interessant ein Bewerber ist, ohne eine Vertrauensbasis wird es schwer sein, einen guten Prozess durchzuziehen. Ein erstes Gespräch ist daher unerlässlich und bestimmt den gesamten weiteren Verlauf des Bewerbungsverfahrens. Denn nicht nur der Berater kann sich in einem ersten Kennenlernen ein genaues Bild von dem Bewerber machen. Der Bewerber sollte jede Gesprächseinladung oder auch Meeting mit einem Recruiter als Möglichkeit sehen, einen Guide für seine Karriere zu finden.

Fazit: Die Verlockung sich nur weitere Informationen per Mail anzufordern ist groß und verständlich bei der Masse an Nachrichten. Bietet Ihnen ein Personalberater jedoch an, sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen, um Ihre Wünsche und Anforderungen besser zu verstehen und nicht wahllos mit gutklingenden Angeboten um sich zu schmeißen, dann ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit oftmals garantiert.

Und in einem werden mir die meisten Bewerber zustimmen. Lieber viel Zeit mit einem guten Berater verbringen, als mit fünf Beratern in Kontakt zu sein, die nur latent mit dem Bewerber arbeiten wollen. Denn am Ende des Prozesses bei einem Unternehmen angestellt zu sein, mit dem man sich identifizieren kann und langfristig glücklich wird, entschädigt den anfänglichen Zeitaufwand.

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