Mit einem Schnuppertag Fehleinstellungen vermeiden

Ich bin ganz ehrlich: dies ist mein erster Blog Artikel und zunächst sind mir überhaupt keine Themen eingefallen. Lange Zeit habe ich mich auch intern davor gedrückt einen Blog Artikel zu schreiben, bis ich festgestellt habe, dass man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Man muss eben ein Thema wählen, zu dem man seine Meinung äußern möchte und das Ganze dann lediglich mit Fakten belegen. Letztlich geht es um die Lösung eines Problems. Als mir das klar war, sind mir sofort 20 Themen und Ideen gekommen. Da wir intern eine Liste führen, wer, wann an der Reihe ist mit dem Verfassen eines Artikels und ich glücklicherweise „die Macht“ über diese Liste verfüge, habe ich mir direkt bis Ende des Jahres meine Lieblingsthemen gesichert.

Eine Reihe von Themen sind mir zu dem übergeordneten Thema „Fehleinstellungen vermeiden“ eingefallen. Das sollte erst mein komplettes Thema werden, doch dann dachte ich: „Besser nicht! Da sitzt du ja Wochen dran und kannst einen ganzen Roman schreiben.“ Deswegen habe ich das Ganze aufgeteilt und werde eine Blogartikel-Reihe dazu schreiben. Der Nachteil ist natürlich, dass ich nur alle 7 Wochen dran bin. D.h. ihr müsst um einiges länger auf den nächsten Artikel warten, als auf die nächste Folge „Game of Thrones“ – wenn ich genügend Zuschrift bekomme, werde ich aber definitiv öfters etwas dazu schreiben.

Um endlich auf den Punkt zu kommen: ich habe mich dem Schnuppertag als erstes gewidmet. Ihr solltet wissen, dass ich mich dem Thema aus Recruiter-Sicht widme und sich meine Ideen und Vorstellungen auf den mir vertrauten IT Markt beschränken. Bevor ich starte, möchte ich noch kurz auf die Begrifflichkeit eingehen. Warum nenne ich das Schnuppertag und nicht Probetag? Rechtlich gesehen muss ich das an dieser Stelle Einfühlungsverhältnis / Schnuppertag nennen, denn bei den Schnuppertagen dürfen im Gegensatz zu einem Probetag dem Kandidaten keine (!) betrieblichen Arbeiten zugewiesen werden. Der Bewerber ist freiwillig vor Ort, muss also keine Arbeitszeiten einhalten, konkrete Aufgaben übernehmen und wird entsprechend auch nicht bezahlt und eine Sozialversicherungspflicht besteht auch nicht. Es handelt sich um eine unverbindliche Kennenlernphase.

Beiseite mit dem Rechtlichen. Manche meiner Kunden machen diesen Schnuppertag und manche eben nicht. Ich halte den Schnuppertag für elementar wichtig, um Fehleinstellungen zu vermeiden. Versteht mich nicht falsch. Er garantiert natürlich nicht, dass es langfristig für beide Seiten passt, sondern minimiert lediglich das Risiko.

Was spricht also gegen einen Schnuppertag?

Sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen ist ein Schnuppertag meistens mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Das Unternehmen muss sich darum kümmern, dass die entsprechenden Mitarbeiter Zeit haben, sich um den Bewerber zu kümmern. Dabei vernachlässigen sie mehr oder weniger ihre eigentliche Arbeit. Der Bewerber wiederum muss sich meistens einen Tag frei nehmen, wenn er noch in einer Festanstellung ist. Ist er also gerade aktiv auf Jobsuche und bewirbt sich bei mehreren Unternehmen, dann könnte das wirklich schwierig werden und der Chef könnte auch Verdacht schöpfen, warum sich ein Mitarbeiter immer mal wieder einen Tag frei nimmt. 😉

Da stellt sich natürlich die Frage, warum sich das alles trotzdem lohnt?

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Interview mit einer Journalistin einer Fachzeitschrift und wurde gefragt, was meiner Meinung nach für Bewerber im IT Umfeld die wichtigsten Kriterien für Zufriedenheit im Job sind. Was wäre euer erster Gedanke? Klar fallen einem die Rahmenbedingungen ein, flexible Arbeitszeiten usw. Mir kam aber recht schnell der Gedanke, dass das entscheidende Kriterium wahrscheinlich eine gute Arbeitsatmosphäre ist. Nach meiner Recherche und einer Umfrage vom Marktforschungsinstitut Tolana von 2015, die 1.000 Bundesbürger zu dem Thema „Beruf und Karriere 2015“ befragt haben, war mit 58% die gute Arbeitsatmosphäre auf Platz 1 bei der Nachfrage der Top-Anforderungen an zukünftige Arbeitgeber.

Der „Teamfit“ ist also die Nummer 1? Das unterstreicht, wie wichtig so ein Schnuppertag für beide Seiten doch ist. Beide Seiten haben die Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernen und zu sehen, ob man ins Team passt. Das gibt sowohl dem Unternehmen als auch dem Bewerber ein sicheres Gefühl und beide Seiten sollten diesen Zeitaufwand investieren, wenn sie an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.

Einer meiner Kunden hat meiner Meinung nach einen sehr guten Bewerbungsprozess. Zunächst gibt es das klassische Interview mit HR und dem Entscheidungsträger vom Fachbereich. Wenn beide Seiten an einer Zusammenarbeit interessiert sind, gibt es den Schnuppertag. Dort verbringt der Bewerber einen halben Tag mit seinem möglicherweise zukünftigen Team. Kein einziger Entscheidungsträger vom Fachbereich oder auch HR ist bei diesem Schnuppertag anwesend. Das macht das Ganze in meinen Augen ehrlich und authentisch. Im Anschluss geht das gesamte Team nochmal Mittagessen und der Schnuppertag ist beendet.

Im Entscheidungsprozess wird neben den Entscheidungsträgern von HR und dem Fachbereich dann auch die Meinung vom gesamten Team mit einbezogen. Das verteilt den „Druck“ bei der Entscheidung auf mehrere Schultern und im Anschluss kann sich niemand beschweren, dass der Bewerber nicht ins Team passen würde.

Mein Fazit an dieser Stelle und ein Aufruf an alle Unternehmen:

„Macht einen Schnuppertag!“ Es kommt sowohl den Bewerbern als auch Ihnen zugute und hilft dabei, das Risiko für eine Fehleinstellung zu mindern.

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