Jedi-Entwickler & Rockstar-Developer gesucht?!? Woran Sie eine seriöse Stellenanzeige erkennen

Früher waren Stellenanzeigen DIE Form der Bewerbung für einen neuen Job. Heute jedoch, in unserem „neuen“ digitalen Zeitalter, gibt es zunehmend mehr Kanäle, um einen Job zu suchen bzw. sich zu bewerben. Von den unzähligen Stellenportalen, über soziale Netzwerke wie Xing und Linkedin, bis hin zu Apps für das Smartphone wie Truffls – sich als Bewerber heute Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist so einfach und schnell wie noch nie. Hinzu kommt der berüchtigte Fachkräftemangel, der Unternehmen dazu bewegt, alle möglichen Mittel zu nutzen, um an die besten Talente zu gelangen.

Wir beschäftigen uns als Personalberater täglich mit unzähligen Stellenanzeigen. Wir nutzen diese, um Markttrends zu erkennen und zu analysieren, potenzielle neue Kunden zu finden und unseren Kandidaten verschiedene Optionen aufzuzeigen. Leider lässt sich hier in letzter Zeit eine negative Entwicklung beobachten – wir sprechen von der Qualität dieser Anzeigen, die langsam aber sicher fragwürdige Formen annimmt. Wir lesen Dinge wie „Rockstar-Developer“, „Entwickler-Guru“ und „sei Teil des geilsten Teams der Welt“.

Um sich von der Masse abzuheben, scheinen sich viele Firmen und auch Personalvermittler zu denken, dass Sie nur mit ausgefallen formulierten Anzeigen Aufmerksamkeit erregen können.

Wir sprechen konkret von übertrieben formulierten Anzeigen, die rein darauf gemünzt sind, Eindruck zu schinden und das eigene Image in den Vordergrund zu rücken.

Das geht so weit, dass (zugegeben, für das geübte Auge) auch viele „Fake-Anzeigen“ darunter eindeutig zu erkennen sind: Die Rede ist von Inseraten, hinter denen sich keine budgetierte Stelle befindet, sondern deren Zweck rein der Talentbeschaffung dient.

Wir wollen einen Leitfaden zur Verfügung stellen, um im Bewerberdschungel das „Gute“ vom „Bösen“ zu unterscheiden.

Klassiker vs. Rockstar – eine Analyse

Bei welchen Stellenanzeigen ist Skepsis angesagt?

Hier ein paar konkrete Punkte, die einen hellhörig werden lassen sollten:

  • Das Unternehmen wird unzureichend oder zum Teil gar nicht vorgestellt
  • Es fehlen konkrete Informationen zu den Anforderungen und der Arbeitsplatzbeschreibung
  • Größerer Fokus auf die attraktiven Benefits, etwaiger Freizeitgestaltung ( die monatlichen Kicker-Turniere und Grillabende) anstatt der eigentlichen Stelle
  • Spärliche Rahmeninformationen, dafür viel Text aber kein Inhalt
  • Zum Teil übertriebene, umgangssprachliche Formulierungen
  • Der Schreibstil der Anzeige soll auf emotionaler Ebene wirken, es mangelt aber an Seriosität
  • Übersetzungen in das, oder aus dem Englischen sind nicht professionell gemacht
  • Rechtschreibung und Grammatik lassen zu wünschen übrig
  • Die Anzeigen sind oft lieblos und „auf die Schnelle“ gemacht
  • Kein konkreter Ansprechpartner für Rückfragen oder den Bewerbungsprozess genannt

Hier geben wir grünes Licht für die Bewerbung

  • Der potenzielle Arbeitgeber stellt sich vor, mit Informationen zur Firma und den Produkten
  • Die Anzeige beinhaltet einen klar verständlichen Stellentitel, der auch die erforderliche Seniorität widerspiegelt
  • Anforderungen und Arbeitsplatzbeschreibung sind klar definiert (idealerweise sogar mit konkreten Zahlen, Aufgaben, Reportings, Verantwortungen, etc.)
  • Die Informationen sind entweder in gut ausformulierten Stichpunkten dargestellt oder in Fließtext
  • Im besten Falle werden die Perspektiven angesprochen, die dem Bewerber langfristig in Aussicht gestellt werden
  • Ein konkreter Ansprechpartner ist aufgeführt. Noch besser ein zusätzlicher Kontakt für fachliche Rückfragen!
  • Vorsicht bei Online-Bewerber-Tools: oft werden diese schlecht gepflegt. Besser ist es wenn Klarheit besteht, an wen die Bewerbung geht
  • Layout und Design sind ansprechend und vermitteln einen seriösen Eindruck
  • Selbstverständlich: Die Anzeige ist frei von Rechtschreibfehlern und grammatikalisch einwandfrei

Nichtsdestotrotz soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass auch wir nicht pauschalisieren wollen und alle Firmen bzw. Anzeigen in eine Schublade stecken. Hinter Anzeigen, die in einem jungen und frischen Stil geschrieben sind, stecken manchmal Firmen, die ihre Mentalität dadurch glaubwürdig transportieren. Wir finden, dass diese Authentizität aber meist deutlich erkennbar ist.

Und jetzt konkret – Welche Fragen sollte ich mir stellen?

  • Verstehe ich auf Anhieb, was das Unternehmen macht und welche Produkte oder Dienstleistungen es anbietet?
  • Ist mir bewusst, was genau von mir gefordert wird (gemeint sind hier die fachlichen Fähigkeiten) und bringe ich diese Erfahrung mit?
  • Könnte ich einem Dritten die Stelle verständlich beschreiben?
  • Vermittelt die Anzeige ein realistisches Bild, oder ist sie doch „zu gut, um wahr zu sein“
  • Bekomme ich Informationen über den Bewerbungsprozess oder weiß ich zumindest an wen ich mich mit Rückfragen wenden kann?

Der zweite Blick lohnt sich

Wir haben heute unsere Bewerbungsunterlagen in digitaler Form jederzeit zur Hand und diese auch mit einem Klick abgeschickt. Der Aufwand ist damit im Vergleich zu früher schwindend gering. Und genau hier wollen wir einhaken.

Lassen Sie sich nicht blenden von den lässigen Formulierungen. Lesen Sie eine Anzeige wenn es sein muss mehrmals und dabei auch zwischen den Zeilen!

Eine anschließende Recherche zur Firma und den Produkten, Arbeitgeberbewertungen und Newsartikeln kann ausschließlich einen Mehrwert bedeuten und ist aus unserer Sicht ein absolutes Muss.

Denn letztendlich kommt es (auch in einem Start-Up) nicht auf die Verpackung, sondern den Inhalt an. Auch Jedi-Entwickler müssen wohl ohne Laserschwert programmieren.

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